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Lebenswerte Unterwiehre: 916 Unterschriften übergeben!

Dienstag 26. Juli 2011, von Stephan Neumann

Gemeinderatsfraktionen sind besorgt über die Veränderungen im Quartier westlich der Merzhauser Straße. Nach einem Gespräch mit Bewohnern und Stadtverwaltung setzen sich mehrere Gemeinderäte dafür ein, dass die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen eingeschränkt und der bestehende Charakter geschützt wird.

Die Fassaden werden rot und orange gestrichen. Meterhohe Zäune zerschneiden die Grünflächen und Fußwege. Anstelle von gemeinsam genutzten Wiesen mit mehr oder weniger wild wuchernden Sträuchern und Bäumen werden kleine Vor- und Privatgärten abgetrennt und zusätzliche Stellplätze für Autos asphaltiert. Bewohner berichten, wie sie mit angedrohten horrenden Mieterhöhungen zum Auszug gedrängt werden, um Platz für neue Eigentümer der Wohnung zu machen.

Es waren diese konkreten Veränderungen, die viele Bewohner des Quartiers westlich der Merzhauser Straße aufschreckten. Nach mehreren Ortsbegehungen und Treffen, organisiert von Sebastian Klus vom Quartiersbüro, war klar, dass die bisherigen Mietwohnungen in den Gebäuden der Südwestdeutsche Bauunion nach und nach von der Immobilienfirma Sauer als Eigentumswohnungen mit zusätzlichen Stellplätzen und im Erdgeschoss mit Privatgarten verkauft werden. Die Folgen sind schwerwiegend. Lebten bislang Studierende, kinderreiche Familien, Menschen mit Wurzeln in den verschiedensten Ländern der Welt, Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose miteinander im Viertel, werden nun alle, die sich keine hohen Mieten oder gar den Kauf einer Wohnung leisten können, mehr und mehr aus dem Quartier gedrängt. Flächen für Spielplätze, für Begegnungen der Leute fallen Privatgärten, Zäunen und Stellplätzen zum Opfer. Während politisch sonst gerne über Integration geredet wird, kann man sie hier (noch) konkret erleben. Bei der Planung neuer „Modell“-Stadtteile wie etwa „Gutleutmatten“ (Eschholzstraße/Carl-Kistner-Straße) gilt es als visionär, anstelle von kleinen privaten Gärten, für alle Bewohner zugängliche und nutzbare Grünflächen zu schaffen. Dass dies in der Unterwiehre nicht konzeptionell verordnet, sondern einfach so gewachsen ist, wurde nicht wahrgenommen. Die aktuellen Veränderungen drohen nun Integration und Durchmischung zu verhindern und die Gettoisierung in Freiburg weiter voranzutreiben – man lebt entsprechend dem, was man im Geldbeutel hat, getrennt nach Schichten in eigenen Vierteln.

916 Menschen – nicht nur aus dem Viertel – haben in den vergangenen Wochen bei der von Bewohnern organisierten Aktion „Die Unterwiehre soll für alle lebenswert bleiben“ unterschrieben. Überreicht wurden die Listen bei einem Gespräch mit Vertretern des Baurechts-, Stadtplanungs- sowie des Garten- und Tiefbauamtes und einigen Gemeindräten. Es wurde zugesagt, sie an Baubürgermeister Martin Haag weiterzuleiten. In einem Brief haben die Gemeinderäte Irene Vogel und Hendrijk Guzzoni (Unabhängige Listen), Birgit Woelki und Helmut Thoma (Grüne), Walter Krögner (SPD) und Martin Kotterer (CDU) nur einen Tag später die Stadtverwaltung aufgefordert, Möglichkeiten zu untersuchen, um die Veränderungen zu verhindern und ein buntes Viertel zu erhalten.

Nach diesen ersten Erfolgen wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, ob das Engagement der Bewohner gegen die rein wirtschaftlichen Interessen der Investoren etwas ausrichten kann. Ein wichtiges Zeichen wäre es, dass die Offenheit zwischen sozialen Schichten, Generationen und Menschen unterschiedlicher Herkunft durch eine offene, durchlässige Gestaltung zwischen den Gebäuden des Quartiers sichtbar bleibt.

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